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Lebensversicherungs-Zweitmarkt-Fonds (verbrannte Produkte)

LV-Zweitmarktfonds investieren in „gebrauchte“ Lebensversicherungen. Das Grundprinzip: Bestehende Versicherungen werden übernommen. Der Fonds zahlt an den Versicherungsnehmer einen vereinbarten Kaufpreis und übernimmt die Zahlung der künftigen Versicherungsprämien. Dafür erhält der Fonds später die Versicherungssumme.

Verschiedene Emissionshäuser haben an Fondsgesellschaften gegründet, die in deutsche, US-amerikanische oder britische Versicherungen investierten.

Das Beispiel britischer LV-Zweitmarktfonds zeigt, wie Verkaufsprospekte Anleger täuschen können. Britische Kapitallebensversicherungen wurden dort regelmäßig als sichere Produkte dargestellt, die in Großbritannien gängig waren, hohe garantierte Leistungen beinhalteten und angeblich besonders günstig angeboten wurden.

Teilweise wurde mit „historisch günstigen Einkaufspreisen“ geworben. Die Konzepte sahen in der Regel vor, dass mit den Lebensversicherungspolicen ein reger Handel getrieben werden sollte. Die Versicherungen sollten günstig eingekauft und später teuer wieder verkauft werden. Hinter diesem ausgeklügelten Plan steckte eine nach Ansicht der Anbieter überzeugende Gleichung: Anziehende Kapitalmärkte = steigende Werte der Versicherungspolicen.

Die Initiatoren haben nur ein winziges Detail übersehen: Den britischen Lebensversicherungsmarkt. Kapitallebensversicherungen („with-profits“) hatten im Zeitraum von 1999 bis 2004 einen in der britischen Versicherungsgeschichte beispiellosen Niedergang erlebt. Die Gründe waren vielfältig. Im Ergebnis war das Versicherungsprodukt für die davon enttäuschten Briten aufgrund der weit hinter den Prognosen zurückbleibenden Ergebnisse „gestorben“. Neuabschlüsse gab es kaum noch. Daher war es auch kein Wunder, dass die Preise der Versicherungen rapide fielen und Versicherungsnehmer froh waren, wenn sie überhaupt einen Käufer fanden.

Die Entwicklung der Versicherungen war so negativ, dass sie in den britischen Medien ein breites Echo fand. Sogar die Regierung sah sich genötigt, regulierend einzugreifen. Im Jahr 2004 wurden im Auftrag des britischen Unterhauses umfassende Berichte veröffentlicht, die auf Aussagen von Experten basierten. Die gewonnenen Erkenntnisse widersprechen den Aussagen in den Verkaufsprospekten deutscher Fonds eklatant. Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen den Unterschied zwischen der Darstellung in einem Prospekt und der Wirklichkeit:

Zitate aus Verkaufsprospekt:Zitate aus Untersuchungsbericht 2004:
Es wird von den Marktteilnehmern zunehmend davon ausgegangen, dass sich auf Grund des dargestellten Wirkungszusammenhanges der Zweitmarkt für Kapitallebensversicherungen auch in Zukunft positiv entwickeln wird.

Bedingt durch die relativ schwachen Kapitalmärkte in den Jahren 2001 bis 2003 und den damit bedingten geringen jährlichen Bonuszuschreibungen sind die Zweitmarktpolicen – historisch gesehen – günstig bewertet. Der Fonds soll von dieser Marktsituation profitieren und Zweitmarktpolicen günstig einkaufen. Während in den 90er-Jahren die garantierte Ablaufleistung von TEPs durchschnittlich etwa 70% des Kaufpreises zuzüglich aller künftiger Prämienverbindlichkeiten betrug, weist das bereits erworbene Start-up-Portfolio diesbezüglich eine Kennzahl von 104% auf, das heißt, dass die garantierten Ablaufleistungen der Policen im Durchschnitt 4% über den Kaufpreisen der Policen zuzüglich der noch zu leistenden Prämien liegen. Der Kapitalerhalt im Start-up-Portfolio ist somit gewährleistet.
Die Versicherungsindustrie hat eine armselige Erfolgsgeschichte bzgl. der Anlage von Fondsvermögen vorzuweisen und hat allgemein darin versagt, das Aktien-Gefahrenpotenzial einzudämmen, als sich die Blase am Aktienmarkt entwickelte.

Diese Situation ist bis zu einem gewissen Maß dem vor kurzem schlechten Investitionsklima geschuldet, insbesondere den Rückgängen der Aktienmärkte von 2000 – 2003, welche die Ergebnisse der Investitionen in Endowment Policen gedrückt haben. Aber in mehrfacher Hinsicht verschleiert dies die eigentlichen Probleme, für welche die Versicherungsbranche die Verantwortung übernehmen muss.

Das Endergebnis ist, dass die Fehlbeträge, welche die Versicherungsnehmer zu erleiden, nur teilweise den Absturz der Börsenmarkte zwischen Anfang 2000 und Frühjahr 2003 wiederspiegeln. In vielen Fällen besteht das Hauptproblem vielmehr darin, dass es – als sich die Wirtschaft in einem Umfeld niedriger Inflation und niedriger Zinssätze eingependelt hatte – zunehmend unwahrscheinlich wurde, dass die Basis-Kapitalanlagen, die den Unterbau der Endowment-Policen darstellen, auch tatsächlich die nominellen Erträge liefern würden, die bei der Zeichnung der Policen in den späten 1980er und den 1990er Jahren angenommen worden waren. Das gilt insbesondere, weil viele With-profits Fonds nun von riskanten, aber potenziell renditeträchtigeren Aktienwerten in den sichereren aber mit geringerer Wertentwicklung verbundenen Anleihenmarkt gewechselt haben. Jüngere Anzeichen einer Belebung des Aktienmarktes läuten daher nicht das Ende der Probleme für die Versicherungsnehmer ein.

Zu dem Zeitpunkt, als die britischen Lebensversicherungsfonds in Deutschland aufgelegt wurden, war demnach hinlänglich bekannt, dass mit diesen Produkten kein Staat mehr zu machen war.

Hätten sich die Anbieter der Kapitalanlagen auch nur ein Mal mit den Fakten beschäftigt, anstatt mit Luftschlössern, wäre den Anlegern viel Ungemach erspart geblieben. Ein Blick in die britischen Zeitungen oder die Berichte für das britische Unterhaus hätte genügt.

Zum Vorteil unserer Mandanten schließen wir derartige Wissenslücken der Initiatoren mit Hilfe unseres Kompetenz-Teams: Wir werten auch englischsprachige Texte aus.

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